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Erste Etappe Schweiz - Thailand
Teil
5: West-Kasachstan, Juni & Juli 2008
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Nach
einer Fahrt durch das über 70km breite und hundertfach verzweigte Wolgadelta,
bin ich an der russisch-kasachischen Grenze angekommen. Die Formalitäten
waren schnell abgeschlossen und ich fuhr neugierig auf das neue Land in die unendlichen
Weiten der Steppe, zog an weitverstreuten Rinder- und Kamelherden und den weitläufigen
Ölfeldern der Nordküste des Kaspischen Meeres vorbei.
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Bild:
Kamele in der Steppe.
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Die
wenigen, kleinen Ortschaften auf dem weiteren Weg sind an Verschlafenheit kaum
zu überbieten und leider durch hohe Jugend-Arbeitslosigkeit und fehlende
Perspektiven gezeichnet. Das Fernsehen, das den orientierungslosen Jungendlichen
tagtäglich zeigt, was ihnen noch alles fehlen könnte, trägt auch
nicht zur Verbesserung der Lage bei. |
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Bild:
Das Zentrum von Akkystau.
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Die
erste kasachische Stadt auf meinem Weg, Atyrau, zeigte da schon ein freundlicheres
Gesicht. Die Stadt erlebt seit Jahren einen regelrechten Wirtschaftsboom und heute
sind sämtliche der grossen internationalen Ölkonzerne vor Ort vertreten.
Bleibt nur zu hoffen, dass auch die ländlichen Gebiete Kasachstans vom Ölboom
profitieren.
Mit der Überquerung der Ural-Brücke (gleich 500m
östlich vom Hotel) bin ich nun endgültug in Asien angekommen, was mich
sehr freut. Atyrau liegt zur einen Hälfte in Europa und zur anderen in Asien.
Die
Stadt habe ich nach zehnstüdiger Fahrzeit und meiner bisher längsten
Tagesetappe erreicht (194 km) - was in Anbetracht der schlechten Strassen (welche
jedoch noch von den Bessern sein sollen!), des schwer beladenen Fahrrads und des
Gegenwinds völlig übertrieben war. So habe ich denn auch gleich wieder
einen Pausentag eingelegt. |
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Bild:
Ein Blick in den Hinterhof des Hotels Ak Zahik in Atyrau.
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Bild:
Der Fluss Ural, der zusammen mit dem gleichnamigen Gebirge die Grenze zwischen
Europa und Asien bildet (links ist Asien, rechts Europa).
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Die
nächsten 100km nach Atyrau durfte ich auf einer traumhaft guten Strasse fahren.
Doch die Freude währte wie erwartet nicht lange und die weiteren 620km bis
Aqtöbe waren geprägt von Strassen, die härteste Anforderungen an
Mensch und Material stellen. Zudem lagen zwischen Ortschaften mit sehr bescheidenen
Einkaufsmöglichkeiten Distanzen von bis zu 300km.
Wegen den schlechten
Strassen suchen sich Autos und Lastwagen oft parallele Wege durch die Steppe.
Doch nach einem kräftigen Gewitter sind auch diese kaum noch passierbar und
jeder Kilometer wird zu einer unsäglichen Schlammschlacht - egal ob auf der
Strasse oder nicht. |
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Bild:
Auf einer der beiden Hauptverbindungen, die Westkasachstan mit dem Rest des Landes
verbinden.
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So
war ich von Atyrau nach Aqtöbe 5 Tage mit mir allein in der Steppe. Die unendliche
Weite der Landschaft wirkt äusserst beruhigend auf den Geist, widerspiegelt
sich in meinem gesamten Gemüt und entleert es von allen aktiven Gedanken
und Gefühlen, was ungeahnte innere Freiheit und Glückseligkeit entstehen
lässt. |
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Bild:
Unendliche Weite und Leere in der Steppe.
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Bild:
Der Motor der kasachischen Wirtschaft ist das Erdöl und fast jede Arbeitsstelle
hat irgend etwas damit zu tun. Das Erdöl macht Kasachstan zum reichsten Land
Zentralasiens.
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Bild:
Manche Schlaglöcher sind so gross, dass ein Kleinwagen durchaus hineinfallen
könnte.
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Um
den Wasserverlust durch das Atmen zu minimieren (pro Tag trinke ich ca. 8 Liter
und habe abends noch immer Durst), binde ich mir gerne ein Tuch ums Gesicht, das
gleichzeitig auch vor den zahlreiche kleinen und flinken Fliegen schützt,
die mit Vorliebe im Gesicht landen. |
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Bild:
Selbstportait.
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Als
ich Thomas aus Berlin traf, konnte ich mich endlich wieder einmal mit jemandem
auf Deutsch unterhalten. Seit Wochen kommuniziere ich mit ein paar Brocken Russisch
und mehr als immer das gleiche Essen bestellen und die immer gleichen Fragen des
Woher und Wohin zu beantworten liegt nicht drin. Thomas tourt mit seiner BMW bis
Oktober durch Russland, Kasachstan und die Mongolei und will bis nach Wladiwostok
fahren. |
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Bild:
Thomas aus Berlin unterwegs nach Wladiwostok.
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Ein
bisschen Abwechslung von der Eintönigkeit der Steppe und Möglichkeit
mit Einheimischen in Kontakt zu kommen, boten die wenigen "Tschaikanas"
(Cafés für Fernfahrer, wörtlich: "Teehaus") auf dem
Weg. |
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Bild:
Edik mit seiner Mutter und Schwester, die das Café von Baiganin betreiben.
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Doch
ansonsten war ich bis auf die wenigen Begegnungen die ganzen Tage für mich
allein in der unendlichen Steppe und hoffte stets, dass die nachmittäglichen
Gewitter mit ihren berohlich zuckenden Blitzen an mir vorbeizogen. Meistens war
dies auch der Fall. |
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Bild:
Eine grollende und blitzende Gewitterfront über der Steppe.
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Jeden
Tag hielten mehrere Autos, die mich überholten, an, und die Fahrer fragten
natürlich nach dem Woher und Wohin. So auch Daniyar aus Aqtöbe, der
mich kurz vor Kandiagasch angehalten hat und spontan zu einem traditionellen Festessen
und ausführlichen Fest mit allem Drum und Dran eingeladen hat. Es freute
mich sehr, diese Herzlichkeit erleben zu dürfen. |
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Bild:
Mit Daniyar und Almaz, meinen Gastgebern in Aqtöbe, vor dem Denkmal einer
Widerstandskämpferin, die jede Menge Nazi-Befehlshaber ins Grab gebracht
haben soll.
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Ab
Aktöbe gab es dann wieder für rund 250km eine gute, geteerte Strasse,
bis Karabutak ab und zu eine kleine Kneipe mit guter Auswahl (Suppen, verschiedene
Speisen, Süssgetränke, etc.) und die Temperaturen hielten sich noch
bei erträglichen 30°C bis 35°C. |
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Bild:
Karabutak, die letzte "grössere" Ortschaft für die nächsten
360km.
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Bild:
Durch die einsame Steppe, ca. 50km südlich von Karabutak. Weit
und breit ist keine Menschenseele. Pro Stunde sehe ich vielleicht
noch zwei bis drei Fahrzeuge und habe die Strasse ansonsten für mich allein.
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Für
einen kleinen Betrag (in der Regel 500 Tenge = ca. 4 US$) kann man bei einigen
der Cafés in der Gaststube übernachten. Ein Bett gibt es allerdings
nicht und man muss mit dem Boden vorlieb nehmen.
Die Cafés zwischen
Karabutak und Aral sind äusserst bescheiden ausgerüstet und eine Menukarte
braucht keines. Es gibt einfach etwas zu Essen. In aller Regel ist das eine Schüssel
Schaffleisch, dazu Brot und eine Kanne Tee. Meine Ansprüche an vegetarische
Ernährung musste ich längstens ablegen. |
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Bild:
Belegschaft eines Cafés (Vater mit seinen zwei Söhnen,
Mutter ist in der Küche).
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Je
weiter ich gegen Süden vordrang, desto schlechter wurden die Strassen. Die
parallel zum eingentlichen Trasse führenden Wege durch die Steppe, die von
den meisten Lastwagen und Autos benutzt werden, sind versandet und mit einem Fahrrad
kaum befahrbar.
Also blieb mir nichts anderes als die Hauptstrasse zu benutzen und
mich Kilometer um Kilometer gegen Süden zu schuften. Am besten
ging es, wenn ich mich auf nichts anderes als eben Rad fahren konzentrierte,
d.h. den Geist von allen unwichtigen Gedanken und Regungen frei
hielt. So machen selbst die unangenehmen Seiten des Radfahrer-Daseins
Spass. |
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Bild:
Auf der Nationalstrasse M32, dem Aral-Highway (nördlich von Irgiz).
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Ebenfalls
wurde es gegen Süden, je weiter ich wieder in die Aral-Kaspi-Senke hineinfuhr,
immer wie heisser. Zwischen elf Uhr Mittags und drei Uhr nachmittags kletterten
die Temperaturen auf 42°C. Ein schattiges Plätzchen, das ein bisschen
Schutz vor der sengenden Sonne hätte bieten können, gab es weit und
breit nirgends. Am einem dieser Tage habe ich doch tatsächlich über
12 Liter Wasser in mich hineingeschüttet. |
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Bild:
Ab und zu gab es doch noch ein paar Kilometer asphaltierte Strasse (allerdings von der Sonne aufgeweicht). |
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Bild:
Hin und wieder haben mich Lastwagenfahrer auf eine Wassermelone eingeladen (hier
an der Kreuzung zu Irgiz), was ich in Anbetracht der Hitze von über 40°C
nie ausschlug.
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Rund
100km vor Aral gab es dann wieder eine durchgehend asphaltierte Strasse. Allerdings
weicht die sengende Sonne den Asphalt dermassen auf, dass die Reifen einsinken
und ein grosser Rollwiderstand entsteht. |
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Bild: Asphaltstrasse
vor Aral
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